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Chief Data Officer im Mittelstand: Brauchen wir ihn wirklich?

Es wird viel darüber geschrieben, dass viele Unternehmen in Deutschland noch sehr analog arbeiteten. Sie würden in der digitalen Transformation hinterherhinken und müssten mehr tun. Dem gebe ich recht, denn der technologische Stand eines Unternehmens entscheidet bereits heute maßgeblich über seine Wettbewerbsfähigkeit. Doch wir müssen die Kirche im Dorf lassen. Und zwar dann, wenn es um Hypes geht, die viel mit den fancy Auswüchsen der Digitalisierung zu tun haben – also mehr mit Kosmetik als mit Hands-on-Mentalität.

Ein schönes Beispiel: Die neuen Berufsbezeichnungen, die das US-amerikanische Marktforschungsunternehmen Gartner untersuchte. Da setzten sich also im Herbst letzten Jahres Mitarbeiter in Connecticut hin und prüften tausende LinkedIn-Profile auf die angegebenen Jobtitel. Auf C-Level-Ebene machten sie fast 20.0000 Titel aus, die „Data“ oder „Information“ erhielten – oha! Der Chief Data Officer kommt!

Aber mit ihm ebenfalls der Chief Analytics Officer, der Chief IoT Officer und nicht zu vergessen, der Chief Digital Officer. Letzterer wirkt ja fast schon wieder etwas altbacken in der Aufzählung, dabei kam er noch nicht mal richtig zum Einsatz. 2012 prophezeite Gartner, im Jahr 2015 hätten ca. 25 Prozent der Unternehmen einen CDO im Management. Drei Jahre später sind es laut PwC gerade einmal sechs Prozent der Top-1500 Unternehmen weltweit, die einen CDO ernannt haben. Gemäß des Branchenverbands Bitkom geben zwei Prozent der Unternehmen ab 500 Beschäftigten hierzulande an, einen CDO zu haben. Bei kleineren Unternehmen sei diese Funktion überhaupt nicht vorhanden.

Neue Aufgaben für CDOs und CAOs?

Doch zurück zum Chief Data/Analytics Officer. Mittlerweile soll es etwa 1.000 weltweit von ihnen geben, ca. 60 Prozent davon sind in den USA tätig, vor allem bei Banken und in Marketing-Abteilungen. Sehen wir uns an, was seine Aufgaben sind. Gartner definiert sie folgendermaßen:

  1. Business Transformation (mit-)leiten: CDOs sollten neue digitale Geschäftsmodelle ausmachen und Chancen für entsprechende Partnerschaften ausloten.
  2. Wertschöpfung erhöhen: Sie sollen neue Modelle zur Monetarisierung der vorliegenden Daten prüfen.
  3. Kosten im Unternehmen senken und für Transparenz sorgen.
  4. Risk Management verbessern: Risiken reduzieren, dazu zählen Regulierungen, Investigation und Compliance.

Bedarf es für diese Aufgaben wirklich eines neuen Jobtitels? Oder anders herum gefragt: Ist es nicht ein Rückschritt, diese fundamentalen Aufgaben, die ALLE im Unternehmen angehen, auf eine neu geschaffene Stelle zu schieben?

Hand aufs Herz: Wenn der Chief Marketing Officer nicht bereits die Idee hat, das jetzt zugängliche „Daten-Gold“ zu nutzen, sollten Unternehmen ihn vielleicht austauschen. Wenn CIO und CTO sich nicht als Business Partner und Helfer im Zuge der digitalen Transformation des Unternehmens verstehen und bereits eine Digitalisierungsstrategie angedacht haben, dann sollten wir über ihr Rollenverständnis sprechen. Die „Digital Economy“ wurde bereits vor zwanzig Jahren im Bestseller von Don Tapscott, „The Digital Economy: Promise and Peril in the Age of Networked Intelligence“, definiert. Was machen seither der Chief Operating Officer, der Chief Innovation Officer oder der Chief Customer Officer?

Neue Business-Modelle zu prüfen, Daten zu sammeln, zu analysieren und zu monetarisieren – das sind fundamentale Aufgaben für Unternehmen. Für ein vernünftiges Change Management müssen selbstverständlich die Verantwortlichkeiten im Unternehmen geklärt sein. Doch mein Plädoyer ist, nicht nach Job-Bezeichnungen zu urteilen und Schranken im Unternehmen zu errrichten, sondern gemäß der Qualifikation der Mitarbeiter und dem Mindset der Führungsmannschaft das eigene Business inklusive einer optimierten Customer Experience zu entwickeln. Ob Business Intelligence im Finance-Bereich, ein ausgeklügeltes, kosteneffizientes CRM im Vertrieb, ein belastbares Security-System oder ein Nutzer-orientiertes Mobile Device Management – es geht um die intuitive Transformation und Effizienzsteigerung im Unternehmen. Wir bei mod nutzen diese Systeme, um unsere Kunden und uns erfolgreicher zu machen.

Wir müssen aufhören, Digitalisierung als einen Fremdkörper zu betrachten, als würden wir eine fremde Sprache lernen. Wir sollten anfangen, den Wortschatz unserer Sprache zu nutzen, um über Digitalisierung zu sprechen und tatsächlich Digitalisierung zu leben. Denn sie gehört seit langem zum Leben dazu.

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